Am Evangelischen Schulzentrum Leipzig zeigt sich dieser Trend: Viele Eltern wie der evangelische Tischlermeister Frieder Korf schicken seine Kinder dorthin, obwohl diese oft gar nicht getauft sind. In Sachsen gibt es inzwischen 93 evangelische Schulen, aber evangelische Kinder stellen nur gut ein Drittel der Schülerschaft. Am Leipziger Schulzentrum sank der Anteil formal evangelischer Schüler seit 2020 von 57 auf 48 Prozent, in der Grundschule auf 37 Prozent.
Schulleiter Ferdinand Kiderlen führt die Attraktivität auf ein starkes Gemeinschaftsgefühl, Feste im Rhythmus des Kirchenjahres, ein klares Wertegerüst und den Blick auf das einzelne Kind zurück. Besonders gefragt ist der Oberschulzweig; viele Eltern sind mit staatlichen Oberschulen unzufrieden, die unter Lehrermangel, strukturellen Problemen und besonderen Belastungen durch Migration leiden. Bildungssoziologe Marcel Helbig beobachtet, dass vor allem Akademikerfamilien auf Privatschulen ausweichen und so soziale Ungleichheit wächst. Gleichzeitig hebt er hervor, dass kirchliche Träger oft sozial inklusive Schulgeldordnungen mit starken Ermäßigungen haben.
Helbig bezweifelt, dass christliche Werte Hauptmotiv konfessionsloser Eltern sind; die allgemeine Säkularisierung spreche dagegen. Für die Evangelische Schulstiftung Sachsen sind die Schulen dennoch „dritte Orte lebendiger Kirche“, an denen Menschen in die Hörweite des Evangeliums kommen. Kircheneintritte seien nicht das Ziel, wichtiger sei glaubwürdiges Handeln. So werden kirchliche Schulen zu einem der sichtbarsten Orte von Kirche in einer ansonsten säkularen Gesellschaft.
Der gesamte Beitrag aus dem Deutschlandfunk ist hier zu hören: https://www.deutschlandfunk.de/boom-evangelischer-schulen-trotz-mitgliederschwunds-auch-in-ostdeutschland-100.html

