Liebe österliche Schulgemeinde in Sachsens,
in wenigen Tagen umspannt der zentrale Ruf der Christenheit die ganze Welt:
Der Herr ist auferstanden! In den wachsenden evangelischen Kirchen in Chile, in den wieder zum Leben erwachten Gemeinden in Kambodscha, in den Gemeinden der Böhmischen Brüder in Tschechien, auf sächsischen Friedhöfen zur Auferstehungsfeier, in Dorfkirchen wie in großen Kathedralen - alle rufen: Der Herr ist auferstanden! Auch wir als evangelische Schulgemeinschaft in Sachsen rufen es. Und unsere Antwort verbindet sich mit allen anderen christlichen Schulen weltweit: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja! Wir sind als Evangelische Schulen Teil der weltweiten Kirche.
Mit diesem Satz bekennen wir uns zum christlichen Glauben. Mit diesem Ruf erneuern wir unsere Zugehörigkeit zur weltweiten Kirche. Dieser Ruf am Ostermorgen bestimmt vor allem unser Denken und Fühlen als Christen. Denn der Glaube an die Auferstehung Christi ist eine konkrete Haltung, eine bestimmte Sichtweise des Lebens:
Nie ist das Tödliche das Bestimmende!
Christen feiern das Leben, nicht den Tod. Und am Ostermorgen sagen wir damit eben auch: unser Leben ist gut, es ist ein Geschenk, es ist herrlich und wunderbar. Das ist Ostern.
Frei nach Marie Luise Kaschnitz:
Am Abend auf fremden Balkonen sitzen,
in Erinnerungen schwelgen,
die Tränen getrocknet bekommen,neue Orte und, Räume entdecken,
bei Anderen eine Seelenverwandtschaft spüren,
Zeit geschenkt kriegen,
im Morgengrauen eins sein mit der Schöpfung,
mit sich selbst gut auskommen, -
auferstehen mitten im Leben.
Ostern - Weil das Leben ein Fest ist und die Hoffnung unsterblich. Weil wir an den Auferstandenen glauben, der den Tod besiegt hat.
Der Herr ist auferstanden – das ist zuerst kein Satz der Bücher. Es ist ein Satz der Sinne. Ein Satz, den ich rufe und feiern kann, den ich spüre, empfinde.
Auch wenn der Beginn dieses Osterglaubens im Zweilicht liegt. Es ist in der Überlieferung des Neuen Testamentes kein spontaner Jubelruf – nicht explosionsartig. Jesus – der Gekreuzigte – ist Christus der Auferstandene. Zuerst ist das eine tiefe Erschütterung. Und meistens beginnen die Begegnungsgeschichten mit dem Auferstanden im Neuen Testament im Morgengrauen – schemenhaft. Undeutlich. Und das Osterevangelium endet mit Furcht und Unsicherheit.
Aller Glaube hat auch an guten Tagen immer seinen Bruder bei sich, den Zweifel, die Undeutlichkeit, das Tasten, die Ahnung. Gott vergewaltigt uns nicht mit Eindeutigkeit.
Vielleicht ist auch manchem unter uns nicht nach Jubelruf und es kommt einem alles ein wenig zu gross vor. Vielleicht sind manche unter uns eher tastend unterwegs. Damit steht man mitten im Osterevangelium.
In den Ostererzählungen der Bibel steht ein kleiner Satz welcher den Weg weist: Ich meine das kleine Sätzchen, „dass er vor uns hergehen wird nach Galiläa.“. In diesem Satz geht es um unser Leben. Denn Galiläa – das ist der Alltag, wo die Zweifel und der Unglaube aufkommen, ganz anders als im frommen Jerusalem. In Galiläa ist der Boden karg ist und das Wasser rar.
Galiläa ist dort, wo der Schweiß der Mühseligen sich mischt mit den Tränen von Leid und Sehnsucht, wo die Kinder nachts schreien und morgens schon wieder gewickelt werden wollen, wo die Mühe und Arbeit einen aufzehren, und man am Ende manchmal doch mit leeren Händen dasteht.
Dort in Galiläa ist er zu treffen - in unserem manchmal kleinen Leben. Dorthin geht er voran. Damit dort sich das Leben nicht erschöpft in der Sehnsucht, und nicht stehen bleibt im Hunger nach Brot und Leben.
Denn das Leben ist oft genug rätselhaft, zweideutig – und oft genug zum fürchten. Die Güte des Lebens, sein Sinn, seine Zärtlichkeit schimmern nur gelegentlich durch – nur in den guten Tagen. Aber ohne dieses Durchschimmern, wäre es nicht lebbar. Ohne den geöffneten Himmel, finde ich mich nicht zurecht. Ohne den dazwischen scheinenden Gott, bleibt es dunkel, tödlich, niederdrückend.
Christen (Protestanten sowieso) sind Protestleute gegen den Tod in all seinen Varianten:
Wir bieten die Stirn. Der Bedeutungslosigkeit und der Depression, der Feindseligkeit, der Feigheit und Inhumanität. Wir bieten die Stirn – der Selbstsucht und stürmen an gegen alles was hässlich und klein macht, was verzagt. Im Namen des Auferstandenen. Wir sind frei. Wir lassen uns erschüttern und berühren vom Geist dieses auferstandenen Christus. Wir lassen uns verwandeln ins Leben. Wir glauben an den Auferstanden, der uns vom Tod ins Leben führt. Um dann zu bekennen, zu entdecken, zu spüren mit allen Fasern meines Körpers: Es ist ein gutes Leben. Der Herr ist auferstanden - Halleluja!
Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

